Der gesamte E-Wagenpark speichert zusammen eine geballte Ladung Strom.

Die Batterien von 100’000 Elektroautos verfügen über eine Leistung im Umfang von einem Atomkraftwerk. Da Autos 90 bis 95 Prozent ihrer Zeit bisher ungenutzt herumstehen, bietet sich hier ein riesiges Potenzial zur dezentralen Speicherung von erneuerbarem Strom an. Die in den Autos verbauten Batterien sind sehr leistungsfähig und verfügen oft über Reichweiten bis 500 Kilometer. Im Durchschnitt ist ein Auto aber im Tag nur auf einer Strecke von 40 km unterwegs. Da bleibt also eine riesige Menge Strom in der Batterie übrig, von der es nur einen Bruchteil benötigt, um beispielsweise einen Haushalt einen Tag lang oder in der Nacht mit Strom zu versorgen. Ein paar Fahrzeuge zusammen könnten intelligent gesteuert Strom für grössere Gebäude oder zur Senkung von Lastspitzen liefern. Zu einem einzigen virtuellen Kraftwerk zusammengeschlossen, könnten diese Batterien so namhaft zur künftigen Stromnetzstabilisierung beitragen, wenn Grosskraftwerke ersetzt werden müssen. Wie wird das nur sein, wenn dann einmal alle 4,5 Millionen Fahrzeuge in der Schweiz elektrisch unterwegs sein werden? Ohlala, dieses Potenzial ist immens.

Zu teure bidirektionale Ladestationen

Display einer bidirektionalen Ladestation

Doch um dieses Potenzial zu erschliessen, braucht es noch einiges. Technisch ist dieses sogenannte bidirektionale Beladen und Entladen von einer Autobatterie zwar bereits möglich und beispielsweise in Japan relativ weitverbreitet. In der Schweiz scheitert das Ganze vor allem noch am hohen Preis für die spezielle Umwandlungsstation und an Diskussionen über verschiedene Steckertechnologien (CHAdeMO in Japan oder CCS in USA und Europa). Eine spezielle Ladestation für bidirektionales Laden ist nötig, weil eine übliche Wallbox zum Laden von Elektrofahrzeugen nicht geht. Bei uns sind zurzeit dafür notwendige Vehicle-to-home (V2H) Anwendungen nur vom Schweizer Startup sun2wheel verfügbar, in denen der Strom aus der Fahrzeugbatterie an den Haushalt zurückgegeben werden kann. Aber diese bidirektionale Ladestationen kosten zwischen 12’000 respektive eher 20’000 Franken.

Warten auf tiefere Preise

Als ich meinen Dacia vor ein paar Wochen wegen eines Getriebeschadens ersetzen musste, hätte ich noch so gerne einen Stromer gekauft. Denn es nervt mich schon lange, ein Auto zu unterhalten, das 99 Prozent der Zeit in der Garage steht. Es wäre die tolle Gelegenheit gewesen, einem geparkten Fahrzeug endlich einen Nutzen zu ermöglichen und meinen Solarstrom zwischenzuspeichern. Doch leider musste ich feststellen, dass die Zeit noch nicht reif ist, weil es zum einen zu wenige Fahrzeuge gibt, die überhaupt bidirektionales Laden ermöglichen (Mitsubishi: i-MiEV, Outlander, Eclipse Cross / Nissan: Leaf, e-NV-200 / Peugeot: iOn / Citroen: C-Zero). Aber vor allem, weil diese bidirektionalen Ladestationen für einen einfachen Einfamilienhausbesitzer einfach zu teuer sind. Ich muss mich also noch gedulden.

Die Modelle e-NV-200 und Leaf von Nissan ermöglichen bidirektionales Laden.

Ich gehe einmal davon aus, dass die Preise für die bidirektionalen Ladestationen deutlich sinken werden, da das Potenzial der Tausenden von Batterien in den Fahrzeugen schlicht zu gross und für die Bewältigung der Energiewende zu wichtig ist. In diesem Jahr sollten zudem weitere Fahrzeughersteller wie Audi (Q4e-tron), Seat (Cupra Born), Skoda (Vision E und iV) mit bidirektional auf- und entladbaren Batterien auf den Markt kommen.

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