Eine Potenzialstudie zeigt, dass in der Schweiz kleine Balkonkraftwerke bis zu einer Terawattstunde Solarstrom pro Jahr produzieren könnten – ein Drittel davon im Winter. Also los: Aufbauen, einstecken und sofort eigenen Strom produzieren.
Du hast einen Balkon, ein Gartenhäuschen oder einen Carport? Dann ist der Weg zum eigenen Solarstrom kurz. Verschiedene Anbieter in der ganzen Schweiz bieten heute bereits Sets von Kleinstanlagen mit Solarmodulen an, die sich direkt über die Steckdose anschliessen lassen. Der Strom von solchen Plug&Play-Anlagen fliesst direkt vor Ort ins Hausnetz. Die Rechnung ist einfach: Was dort hereinkommt, muss ich nicht teuer vom Stromnetz einkaufen. Je nach Anlagengrösse belaufen sich die Kosten auf zwischen 500 und 1500 Franken. Die erlaubte «Einspeisemenge» ist zwar zurzeit begrenzt auf eine Nennleistung von 600 Watt (Wechselstrom) pro Anlage. Amortisiert sind sie trotzdem schon nach wenigen Jahren. Montieren lassen sie sich selbstständig, ein Elektriker ist dafür auch nicht unbedingt nötig. Wenn der Vermieter oder Denkmalschutz nichts gegen die Montage am Balkongeländer oder an der Fassade einzuwenden hat, kann es losgehen. Natürlich bestimmt die Ausrichtung der Module auch hier den Ertrag. Ideal ist Richtung Süden, eher ungünstig gegen Norden. Und ja, in der Schweiz musst du eine solche Anlage beim lokalen Netzbetreiber anmelden.
Hoher Winterstromanteil
Das Bundesamt für Energie liess in einer aktuellen Studie das Potenzial solcher Plug-and-play Fotovoltaik-Anlagen abklären. Mit den oft auch als Balkonkraftwerken bezeichneten Kleinanlagen mit einer Handvoll Modulen liessen sich gemäss Schlussbericht jährlich eine Terawattstunde Strom produzieren. Das wäre immerhin etwa ein Zehntel des aktuell in der Schweiz produzierten Solarstroms. Dabei teilt die Studie diese Anlagen in zwei Unterkategorien ein: einphasige Systeme mit 1 bis 5 PV-Modulen und einer Nennleistung bis 800 Watt und dreiphasige mit 6 bis 15 Modulen und einer Nennleistung von 2400 Watt. Alle zusammen kämen sogar auf ein Potenzial von 3 Terawattstunden pro Jahr. Das Interessante an Balkonanlagen: Weil die Module oft vertikal aufgestellt sind, kommen sie gemäss Studie auf einen hohen Winterstromanteil von bis zu 37 Prozent. In Deutschland hat sich die Zahl der «Steckersolaranlagen» innerhalb von drei Jahren wegen der hohen Strompreise mehr als verdreifacht auf über eine Million registrierte installierte Einheiten. Schätzungen gehen allerdings sogar von bis zu 3 Millionen solcher Steckeranlagen aus, die bereits am Netz hängen. Teilweise erhalten dort Balkonkraftwerke finanzielle Unterstützungen, so bezahlt Hamburg einkommensschwachen Haushalten bis zu 90 Prozent der Anschaffungskosten.
Rückvergütung nicht entscheidend
Trotz aller Einfachheit müssen einige Punkte erfüllt sein, damit eine Mini-Solaranlage sicher funktioniert. Die Aussensteckdose benötigt zwingend einen FI-Schutzschalter (30mA), um Personen vor einem elektrischen Schlag zu schützen. Die Module sollten so stabil fixiert sein, dass sie auch einem stärkeren Windstoss widerstehen. Und natürlich sollte eine Konformitätserklärung des Herstellers vorhanden sein. Wer mehr herausholen möchte, installiert eine Anlage mit höherer Leistung (beispielsweise 2400 kWp). Trotz Einhaltung der vorgeschriebenen Abriegelung bis 600 Watt Leistung kann das Potenzial der Sonne besser ausgenutzt werden. Solche Anlagen sind mit höheren Kosten verbunden. Was passiert mit dem überschüssigen Strom, der nicht vor Ort verwendet werden kann? Dieser fliesst ins örtliche Stromnetz zurück. Gemäss Energiegesetz Artikel 15 gilt auch für Plug-and-play-Anlagen eine Abnahme- und Vergütungspflicht. Die Einspeisevergütungen sind aber in der Regel sehr tief, weshalb sich das in der Stromrechnung kaum bemerkbar macht. Dazu braucht es ohnehin einen intelligenten Stromzähler. Falls nicht vorhanden, sollte es eine pauschale Abgeltung geben.
| Zusammenfassung: – In der Schweiz sind Anlagen mit bis zu 600 Watt Wechselstromleistung erlaubt. – Die Anlage muss beim lokalen Netzbetreiber angemeldet werden – Hoher Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stroms – Besonders ergiebig im Winter durch vertikale Montage – Die Aussensteckdose muss zwingend über einen FI-Schutzschalter (30mA) verfügen. – Eine Konformitätserklärung (CE-Kennzeichnung) des Herstellers ist erforderlich. |

