Landwirtschaftliche Kulturen und die Solarstromproduktion als symbiotisches System.

Die Angst vor einer anstehenden Stromlücke bringt eine neue Dynamik in die Diskussionen über die Solarstromproduktion auf landwirtschaftlichen Flächen. Agri-Photovoltaik ist die offizielle Bezeichnung für die gleichzeitige Nutzung von Flächen für die Produktion von Lebensmitteln und der Solarstromproduktion. Zurzeit fokussiert die Schweizer Politik auf die Dach- und Fassadenanlagen. Und das macht ja irgendwie auch Sinn in Anbetracht der vielen freien Dachflächen, die immer noch vergeblich nach Solarzellen «schreien». Trotzdem gibt es nun auch in der Schweiz politische Vorstösse, welche eben unter Umständen auch Solarmodule auf landwirtschaftlichen Flächen zulassen sollen. Im Weg standen bisher diverse Gesetze, vor allem das Raumplanungsgesetz, das Solaranlagen wo anders als auf dem Dach oder einer Fassade bis heute kaum zulässt. Zusätzlich hemmend ist die Tatsache, dass mit Solarmodulen besetzte Flächen offiziell nicht als Landwirtschaftsflächen gelten und somit vom Direktzahlungssystem ausgeschlossen sind. Damit sollte ursprünglich wohl dem Bau von grossen Freiflächen-Solaranlagen auf der grünen Wiese präventiv einen Riegel vorgeschoben werden, was ja nicht so schlecht ist. Doch nun hat sich die Situation geändert. Studien und diverse Praxis-Beispiele im Ausland zeigen, dass Kulturen unter Umständen sogar profitieren, wenn sie kombiniert mit Solarmodulen angebaut werden. Eine klassische Win-Win-Situation also.

PV-Zäune für den Winterstrom

Ein schönes Beispiel sind Himbeerkulturen, die heute oft mit Plastikdächern abgedeckt werden, um sie vor Feuchtigkeit und daraus resultierenden Krankheiten zu schützen. Doch anstatt Plastik können dort Photovoltaik-Module eingesetzt werden. Diese schützen zusätzlich vor Sonnenbrand, kühlen die Umgebung ab und reduzieren so den Wasserbedarf. Solche Anlagen stehen in Deutschland und Holland bereits. Senkrechte PV-Zäune könnten für die Winterversorgung interessant sein, weil sie das diffuse Licht gut verwerten können. Grasende Schafe und Blumenwiesen zwischen den aufgeständerten Solarmodulreihen bieten weitere Vorteile und fördern die Biodiversität auf Wiesen.

In Dirmingen (D) stehen 5700 vertikal gestellte, zweiseitige PV-Module auf einer Wiesenfläche, die mehr oder weniger «normal» landwirtschaftlich genutzt werden kann. (Bild: Next2Sun)

Widerstand ist vorprogrammiert

Die Revision des Raumplanungsgesetzes ist im Gang, darin sollen Agri-Photovoltaik-Projekte weniger restriktiv als bisher behandelt werden. In Anbetracht der unseligen Diskussionen und Grabenkämpfe bei Windkraft-Projekten befürchte ich allerdings, dass dies wenig nützen wird. Es würde mich nicht überraschen, wenn die wohlstandsverwöhnten Schweizerinnen und Schweizer sich auch gegen Agri-Photovoltaik in der Landschaft querlegen würden, weil sie um die freie Sicht aufs Matterhorn fürchten oder sich geblendet fühlen. Doch wer weiss, was eine ernsthafte Strommangellage noch alles bewirken kann?  

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