Solarmodule Made in China auf einer Schweizer Garage.

Die installierte Leistung für die Produktion von Solarstrom nimmt jährlich massiv zu. In diesem Jahr rechnet die International Energy Agency (IEA) weltweit mit 600 Gigawatt zusätzlicher Leistung. Sowohl bei der Herstellung von Solarmodulen wie auch beim Bau von Solaranlagen dominiert China die Szene.

Die Solarindustrie erlebt weltweit einen Boom. Die installierte Leistung für Solarstrom hat sich in den letzten zwei Jahren mehr als verdoppelt und betrug 2023 insgesamt über 1600 Gigawatt (GW). Das erklärten kürzlich Exponenten des IEA Photovoltaic Power Systems Programme (PVPS) an einem Webinar. Die Produktionskapazitäten für Solarstrom werden laufend erhöht und dürften in diesem Jahr bei einer Kapazität von 600 GW liegen, die jedes Jahr neu dazukommen. Einfach so als Vergleich: Das Kernkraftwerk Gösgen kommt auf knapp 1 GW Leistung. Und währenddem du diese Zeilen liest, sind bereits wieder ein paar Tausend neue Photovoltaik-Module dazugekommen. 2000 sollen gemäss IEA PVPS pro Minute weltweit hergestellt werden. Und klar ist auch wo: China ist weltweit Marktführer sowohl was die Produktion als auch die installierte Leistung anbetrifft. Mit 277 GW installierter Leistung im letzten Jahr liegt China einsam an der Spitze, gefolgt von der EU mit 59,8 GW, den USA mit 33.9 GW, Indien mit 13 GW sowie Brasilien mit 12.4 GW. Auch die Schweiz ist verhältnismässig ganz gut unterwegs. Das zeigt der Vergleich der Investitionen in Solaranlagen in Abhängigkeit des Bruttoinlandproduktes: Hier steht die Schweiz an vierter Stelle, hinter China, Spanien und Österreich aber noch vor Deutschland.

Der Preis als Hauptkriterium

Die Marktbeherrschung Chinas bei den Solarmodulen steht weltweit in Kritik. Der Staat soll die Produktion dort massiv subventionieren, und den Weltmarkt mit Solarmodulen zu Dumpingpreisen fluten. So die Argumentation. Sehr günstig sind die Solarmodule zurzeit tatsächlich. Und das hat ja durchaus auch Vorteile für Bauherrschaften in der Schweiz, die deshalb zu sehr günstigen Anlagen kommen. Aus Sicht der technischen Qualität gibt es an den asiatischen Teilen sowieso kaum etwas zu meckern. Allenfalls kämen noch ethische Bedenken dazu, wegen mutmasslicher Umweltschäden und schlechten Arbeitsbedingungen in den Fabriken dort. Doch das interessiert in der Praxis nur noch am Rand. Denn längstens ist der Solarmarkt nicht mehr dominiert von ideologisch getriebenen Solarfreaks. Das heisst: der Preis ist heiss.

Meyer Burger leidet weiter

Die Kampfpreise spürt beispielsweise auch gerade die Solarfirma Meyer Burger sehr schmerzhaft. Als es während der Pandemie zu massiven Lieferengpässen kam und so die Abhängigkeit der europäischen Solarindustrie von Asien offensichtlich und spürbar machte, baute die Firma mit Schweizer Wurzeln in der ganzen «mehr Europa in Solarmodulen»-Euphorie vor zwei Jahren eine Modul-Fabrik in Deutschland. Diese kam aber gar nie richtig zum Laufen. Denn sie kann im Wettbewerb mit China schlicht nicht mithalten. Da nützt offenbar auch die Flucht der Firma in die USA nichts, welche die chinesischen Module mit hohen Zöllen belegt, um diese vom Markt fernzuhalten. In ihrem Halbjahresbericht legt Meyer Burger bei einem Umsatz von 48,7 Millionen CHF einen Betriebsverlust von 321,7 Millionen CHF offen. Das kann ja irgendwie langfristig gar nicht aufgehen.

Marktvolumen von 400 Milliarden Dollar weltweit

Die IEA PVPS präsentierte am Webiner durchaus auch noch ein paar weitere interessante Zahlen. Der Blick auf Europa zeigt, dass Italien zwischen 2022 und 2023 mit einer Zunahme von 113% der Kapazität an Solarstromleistung am meisten zulegte. Gefolgt von Deutschland mit 109%, Holland mit 34% und Spanien mit 6%. Das weltweite Marktvolumen der Solarindustrie schätzt IEA PVPS auf rund 400 Milliarden Dollar, wovon sich wiederum China den Löwenanteil sichert. Das Land baut die Kapazitäten weiterhin zudem auch bei sich selbst massiv aus. Weltweit wird zudem mittlerweile über 8 % der Nachfrage nach Elektrizität mit Solarstrom gedeckt. Trotz aller Euphorie geht die IEA PVPS davon aus, dass die Zeiten der extrem tiefen Preise für Solarmodule nicht von Dauer sein werden, da dies die gesamte PV-Industrie gefährden würde.

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