Die Schweizer Solarbranche ist stark abhängig von den Modul-Fabriken in Fernost.

Vielen dämmert es in diesen Tagen, wie abhängig die Schweiz in Tat und Wahrheit von ausländischen Energieträgern ist, insbesondere bei Erdöl und Erdgas. Die Energiewende mit der angestrebten deutlichen Erhöhung des Anteils von eigenen erneuerbaren Energieträgern ist zwar eingeleitet, doch das wird noch viele Jahre dauern. Zwar gibt es – zumindest vorläufig noch – ausreichend Wasser in der Schweiz. Auch die Sonnenstrahlen fallen in schier unendlichen Mengen auf uns runter und müssen auch nicht importiert werden. Doch bis diese umgewandelt in Strom vom Dach fliessen, braucht es zuerst einmal viel «Ausland».

Abhängigkeit von China

Der allergrösste Teil der in der Schweiz verbauten Solarmodule stammt aus China, inklusive der für die Herstellung verwendeten Rohstoffe. Die Lieferengpässe der letzten Monate zeigten schon einmal real auf, wie problematisch diese Abhängigkeit ist. Dazu kommt die zunehmende Unberechenbarkeit der Launen von Autokraten in Rohstoff-Ländern wie China oder Russland, wie wir in diesen Tagen in der Ukraine sehen. Ebenfalls ein Problem: Die Weiterentwicklung der Module geschieht weit weg in Asien und geht derzeit in Richtung deutliche grössere Module für XXL-Freiflächenanlagen, die aber für die Schweizer Dächer eigentlich viel zu gross sind. Doch immerhin gibt es Hoffnung: Die schweizstämmige Solarfirma Meyer Burger eröffnete im letzten Jahr in Deutschland nach eigenen Angaben das grösste Solarmodulwerk Europas, in dem sie Solarmodule «Made in Europe» herstellt. Die Module aus der Fabrik in Freiberg (siehe oben im Bild) bewegen sich logischerweise im oberen Preissegment. Doch es gibt es trotzdem gute Gründe, diesen Mehrpreis zu bezahlen.

Umweltfreundlichere Produktion in Europa

Dabei geht es nicht primär um Qualität und Leistung, denn hier liegt nicht das Problem der chinesischen Produkte. Eine Reduktion der Abhängigkeit vom fernen Ausland ist trotzdem angezeigt. Die Corona-Krise zeigt Schwächen der Globalisierung deutlich auf. Es macht Sinn, wenn künftig nicht nur wieder mehr Medikamente in Europa hergestellt werden, sondern eben auch Solarpanels. Ganz abgesehen davon, dass es nicht so schlecht sein kann, Arbeitsplätze zu schaffen und eigenes Know-how in dieser Zukunftsindustrie aufzubauen respektive zu behalten. Das Frauenhofer-Institut hat in einer Studie berechnet, dass in Europa gefertigte Glas-Glas PV-Module 40 Prozent weniger CO2 verursachen als Glas-Folien-Module aus China. Für Solaranlagenbetreiberinnen und -betreiber gibt es weitere Vorteile: Zwar verfügen die meisten grossen chinesischen Hersteller über Niederlassungen in europäischen Ländern, welche bei Reklamationen über defekte Module als Ansprechpartner dienen. Doch die Kommunikation wird nie so sein, wie mit europäischen Partnern, welche aus dem gleichen Kulturkreis kommen. Zudem ist die Beschaffung von Ersatzmodulen aus Fernost tendenziell mühsamer, als wenn die Fabrik quasi gleich vor der Türe steht. Ob das reicht, um gegen die aktuell etwa zwanzig Prozent tieferen Kosten der China-Module zu bestehen, wird letztlich – wie so oft – der Markt entscheiden. Vielleicht lassen die steigenden Transport- und Energiekosten aber den Preis-Vorteil sowieso bald dahinschmelzen wie das Eis an den Polarkappen.

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