Private Solaranlagen amortisieren sich kaum noch über Rückliefertarife, weshalb die Eigenverbrauchsoptimierung und Batterien wieder in den Fokus rücken. Im gewerblichen Bereich boomt der Markt mit Batterien bereits. Absehbare Überkapazitäten in China werden langfristig möglicherweise für stark sinkende Preise sorgen.
Gerade noch 6 Rappen bezahlt mir mein Stromenergie-Abnehmer EWS-Energie im nächsten Jahr noch pro Kilowattstunde. Es ist der gesetzliche Minimalpreis, den das Bundesamt für Energie (BFE) festlegt. Wenn ich die Einspeiseleistung der Anlage freiwillig auf 50 Prozent reduziere, gibt es zwei Rappen zusätzlich pro gelieferte Kilowattstunde. Eine gute Sache, um die Netzstabilität zu sichern und das Stromnetz mit dieser einfachen Massnahme vor Überlastungen zu schützen. Kleine Solarstromproduzenten wie ich werden nun aber trotzdem wieder in die Schublade der «Solaren Überzeugungstäter» geschubst: Denn mit diesen Rückliefertarifen allein lässt sich keine Anlage mehr amortisieren.
Fast die Hälfte der Einfamilienhäuser hat eine Batterie

Deshalb richtet sich das Augenmerk jetzt wieder vermehrt auf den Eigenverbrauch. Je mehr teuren Netzstrom der eigene Solarstrom ersetzen kann, desto besser! Natürlich kommt da die Batterie wieder aufs Tapet. Mit ihr lässt sich der überschüssige Mittags-Solarstrom für die Verwendung in die sonnenarmen Rand- und Nachtstunden verschieben. Doch lohnt sich das wirklich? Als Nachrüstung bei bestehenden Kleinanlagen kaum. Aber als «solarer Überzeugungstäter» werde ich mich früher oder später wohl trotzdem für eine Hausbatterie entscheiden. Bidirektionale Ladestationen sind ja leider immer noch viel zu teuer. Mein Auto wäre eigentlich dafür eingerichtet. Zurzeit ist immerhin in etwa der Hälfte der solaren Einfamilienhäuser eine Batterie installiert, mit einer Speicherkapazität von über 250’000 kWh. Vor allem bei neu installierten Anlagen dürfte sich eine Batterie unter dem aktuellen wirtschaftlichen Umfeld in vielen Fällen lohnen.
Grossbatterien zur Aussenaufstellung

Etwas anders als bei den Heimspeichern sieht es mit den Batterien im gewerblichen und industriellen Bereich aus. Der Anbieter Solarmarkt GmbH verkaufte im letzten Jahr siebenmal mehr gewerbliche Speicher als im Vorjahr, die Kapazität stieg sogar um den Faktor 11. Das sagte David Galeuchet, Leiter Marketing bei der Solarmarkt GmbH, an einem Online-Treff zum Thema, welcher der Verband unabhängiger Energieerzeuger (VESE) im Oktober durchführte. Die Treiber für das Wachstum sieht er in den rasant sinkenden Preisen für Batteriespeicher, den optimierten Rahmenbedingungen sowie der grösseren Vielfalt an Speicherlösungen. Mit neuen Systemen für die einfache Aufstellung im Aussenbereich lassen sich zudem Installationskosten senken. Strenge feuerpolizeiliche Vorschriften für den Innenbereich fallen weg.
Überkapazitäten in China absehbar

Weshalb sinken die Batteriepreise? Haupttreiber sei hier die Elektromobilität, welche grosse Produktionskapazitäten auslösten, mit den damit verbundenen Skaleneffekten, sagt David Galeuchet. China baut die Herstellungskapazitäten massiv aus und strebt bis 2030 eine Verdreifachung der heutigen Kapazitäten an. Überkapazitäten könnten dann für weitere Preisstürze sorgen. Für den gewerblichen Bereich lohnen sich Batterien, weil sie die Optimierung des Eigenverbrauchs ermöglichen, teure Lastspitzen (Peakshaving) brechen oder wegen der dadurch möglichen Teilnahme am Regelenergiemarkt. Bei letzterem werden Batterien Teil des Stromsystems, welches Swissgrid hilft, Netzschwankungen auszugleichen. Interessant werden Batterien zudem auch bei Gebäuden mit begrenzten Anschlussleistungen, weil sie den teuren Bau von Leitungen oder Trafostationen verhindern.
Das alles zeigt: Die Stromspeicher werden in den nächsten Jahren zum unverzichtbaren Baustein des weiteren Ausbaus der Solarstromproduktion werden.

